Rund um Muttertag gibt es überall Bilder von strahlenden Müttern. Frühstück ans Bett. Selbstgebastelte Karten. Blumensträuße.
Und du?
Vielleicht scrollst du gerade durch deinen Feed und spürst diesen Stich. Vielleicht bist du schon ein paarmal aufgewacht und hattest kurz vergessen – und dann kam es wieder. Dieser Moment, in dem du denkst: Schon wieder dieser Tag.
Vielleicht wirst du weinen, ohne genau sagen zu können warum. Oder du weißt genau warum – und das macht es noch schwerer. Vielleicht redest du dir ein: „Anderen geht es viel schlechter. Ich habe doch eigentlich alles." Und gleichzeitig tut es trotzdem so weh.
Ich möchte dir etwas sagen, das du vielleicht gerade besonders brauchst:
Du darfst das fühlen. Und du bist damit nicht allein.
Dieser Tag trifft tiefer, als irgendjemand ahnt
Der Muttertag ist für viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch einer der schwierigsten Tage im Jahr.
Weil dieser Tag den Kontrast so überdeutlich macht: Überall Bilder von Müttern, Glück, Familie – und gleichzeitig dieser Schmerz, den du schon so lange mit dir trägst.
Was dabei so zermürbend ist: Von außen sieht das niemand. Du funktionierst. Du lächelst. Du sagst „Mir geht's gut." Und innen drin sieht es ganz anders aus.
Was wirklich hinter dieser Fassade steckt – und was viele still mit sich tragen:
- Das Weinen, das einfach kommt – morgens beim Aufwachen, beim Einkaufen, wenn eine Schwangere entgegenkommt
- Das Gefühl, die einzige Frau zu sein, bei der es „einfach nicht klappt"
- Die Erschöpfung, nach außen stark zu wirken, während es innen wehtut
- Die Scham, darüber zu sprechen – weil es sich anfühlt wie ein Tabuthema, über das man lieber schweigt
Wenn du das kennst: Ich sehe dich. Dieser Schmerz ist real. Und er braucht keinen Vergleich mit dem Leid anderer, um berechtigt zu sein.
Woher kommt eigentlich dieses Gefühl, „unvollständig" zu sein?
Du bist nicht verrückt, wenn du dich ohne Kind manchmal weniger wert oder „unfertig" fühlst. Das hat einen Grund – und der liegt nicht in dir.
Jahrhundertelang wurde ein Bild von Weiblichkeit geprägt, das Mutterschaft ins Zentrum stellt. Dieses Bild steckt tief in unserem kulturellen Gedächtnis: in Märchen, in Werbung, in gut gemeinten Fragen auf Familienfeiern. Es sagt: Eine Frau wird erst vollständig, wenn sie Mutter ist.
Auf Social Media wird dieses Narrativ täglich weitergetragen. „Aufgeben ist keine Option" – als wäre jede Frau, die irgendwann einen anderen Weg wählt, eine Versagerin.
Ich sage dir klar und deutlich: Das ist falsch.
Du bist wertvoll – unabhängig davon, ob du ein Kind bekommst oder nicht. Unabhängig von deinem Alter, deinem Körper, deiner Geschichte.
Was eine Frauenärztin mir einmal sagte – dass Frauen nur als Mutter wirklich glücklich sein könnten –, bringt mich noch heute zum Schütteln. Weil dieser Satz so viel Leid verursacht. Weil er Menschen vorschreibt, wie sie zu sein haben. Und weil er schlicht nicht stimmt.
Was du rund um den Muttertag – und an anderen schweren Tagen – für dich tun kannst
Du musst den Muttertag nicht wegstecken. Du musst auch nicht so tun, als wäre er ein Tag wie jeder andere.
Aber du kannst ihn bewusst gestalten – auf deine Art.
Ein paar Impulse:
Frag dich: Was tut mir in diesen Tagen gut? Nicht was du „solltest". Sondern was sich wirklich richtig anfühlt. Für manche ist das ein Spaziergang alleine. Für andere ein langer Anruf mit einer guten Freundin. Oder einfach bewusst weniger Social Media.
Erlaube dir, mehr zu sein als dein Kinderwunsch. Du bist die Frau, die du warst, bevor dieser Wunsch alles ausgefüllt hat. Wer bist du noch? Was liebst du? Was hast du alles schon erreicht? Dieser Teil von dir verdient genauso viel Raum.
Red mit jemandem, der wirklich versteht. Einfach, um gehört zu werden, ohne Bewertung und ohne den Reflex: „Entspann dich mal, dann klappt es schon."
Du musst das nicht alleine tragen
Viele Frauen, die zu mir kommen, sagen: „Ich hab mir immer eingeredet, ich schaffe das alleine." Und dann beschreiben sie, wie sie sich monatelang zurückgezogen haben, immer weniger sie selbst waren – und eines Tages gemerkt haben: So will ich nicht weiterleben.
Der Weg aus diesem Tal beginnt nicht damit, dass du noch stärker wirst. Er beginnt damit, dass du dir erlaubst, Unterstützung anzunehmen.
Wenn du dir wünschst, an Tagen wie dem Muttertag nicht mehr nur zu funktionieren – sondern wirklich einen Weg zu finden, wie du mit dir, deinem Körper und der Ungewissheit anders umgehen kannst – dann bin ich für dich da.
Möchtest du regelmäßig begleitet werden?
In meinem Newsletter teile ich Gedanken, Impulse und konkrete Werkzeuge für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch – ehrlich, ohne Kitsch, ohne falsche Versprechen.
Damit du weißt: Es gibt jemanden, der dich versteht – nicht nur rund um den Muttertag, sondern an all den Tagen, an denen dieser Wunsch einfach da ist.
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Und falls dich die Geschichte des Muttertags interessiert:
Es gab so eine Art Muttertag bereits in der Antike und auch aus dem Mittelalter wird darüber berichtet.
In seiner heutigen Form entstand er 1907, als Anna Marie Jarvis zwei Jahre nach dem Tod ihrer Mutter einen Gedenkgottesdienst ausrichten ließ – und weiße Nelken an alle Mütter verteilte. Was als persönliche Geste begann, wurde bald kommerzialisiert – sehr zum Leidwesen der Gründerin selbst. In Deutschland wurde er Anfang der 1920er Jahre eingeführt, im Nationalsozialismus dann für Propagandazwecke genutzt. Die DDR lehnte ihn als rückschrittlich ab und feierte stattdessen den Frauentag am 8. März – der übrigens alle Frauen einschließt, nicht nur Mütter. Ich finde das persönlich deutlich treffender.
Quellen zur Muttertagsgeschichte - zum Weiterlesen
br.de
Eltern.de
Philognosie.net





